Permanent Make-up bei Krankheiten

Jemand der sich ein Permanent Make-up wünscht, hat nicht immer vorrangig das Thema „Schönheit“ im Kopf. So kann ein PMU vor oder nach medizinischen Eingriffen oder auf aufgrund von gesundheitlichen Gegebenheiten eine wertvolle Hilfe sein. Sichtbare Zeichen der Krankheit oder des Eingriffs werden durch verschiedene Permanent Make-up Techniken optisch kaschiert. Gekonnt gesetzte Linien und Schattierungen können ein „normales“ Aussehen imitieren und so das Selbstwertgefühl erheblich steigern. Eine professionelle und realistisch wirkende Pigmentierung oder Tätowierung verleiht Betroffenen dadurch mehr Lebensqualität.

Medizinische Pigmentierungen geben die verlorenen Konturen zurück oder helfen, früh genug pigmentiert, durch eine schwere Zeit. Außenstehende sehen so nicht mehr auf den ersten Blick, was dem Betroffenen widerfahren ist.

Voraussetzungen die ein PMU Artist für die Behandlung erfüllen sollte

Bei Pigmentierungen, die medizinisch oder gesundheitlich bedingt sind, ist ein übergreifendes fachliches Wissen die Basis. Auch wenn der Arzt der Behandlung zustimmt: Es wird dabei häufig auf Narbengewebe und oftmals an einem nicht vollkommen gesunden Menschen gearbeitet. Der Kunde kann außerdem psychisch besonders belastet sein. Ein feines Taktgefühl, Empathie und Offenheit für Lebensstile außerhalb der gesellschaftlichen Norm sind notwendig. Die Bereitschaft, sich mit dem Leidensdruck der Kunden auseinanderzusetzen, sollte ebenso vorhanden sein. Die Arbeit mit Betroffenen ist meist sehr aufklärungsintensiv, bringt aber auch besondere Freude mit sich: Ein von Freudentränen begleitetes „Danke“ ist jede Mühe wert!

Eine umfangreiche Anamnese und sorgsam abgestimmte Nachsorgebetreuung sind bei medizinischen Pigmentierungen weitere Grundlagen für das Vertrauen des Kunden und beste Ergebnisse.

Kunden, die krankheitsbedingt eine Pigmentierung wünschen, stehen oft entweder noch vor der medizinischen Therapie, stecken mitten drin oder sind gerade erst wieder gesund. Hohe Hygieneanforderungen und besonders sanftes Arbeiten sind deshalb ein Muss.

Außer den gängigen Anwendungen, gibt es auch solche, die seltener gefragt sind und die nur spezialisierte Pigmentisten kennen. Das liegt nicht nur an der Häufigkeit, sondern auch an der öffentlichen Haltung dazu.

Kopf- & andere Haarbereiche

Die Motivation hinter dem Wunsch, sich die Haare durch Stoppelzeichnung oder Kopfhautschattierung optisch verdichten zu lassen, liegt auf der Hand. Männliche Kunden, die eine Kopfhautpigmentierung durchführen lassen, wünschen sich einen jüngeren, maskulineren Look durch die Rekonstruktion von Stoppeln. Frauen möchten durch die optische Haarverdichtung mehr Weiblichkeit ausstrahlen und gesund wirken.

Anders als bei transplantierten Haaren kann man hierbei natürlich keine zusätzliche Haarfülle erwarten. Jeder Kunde muss bei seinem Informationsstand abgeholt und absolut transparent über die Behandlung aufgeklärt werden, damit er nicht enttäuscht ist, weil er andere Erwartungen hatte.

Helm-Gefahr

Wie überall, gibt es auch hier schockierende Ergebnisse, die an „verwaschene schwarze Helme“ erinnern. Die größten Fehler, die man bei der Kopfhautpigmentierung machen kann, sind kohlenstoffschwarze Pigmente zu tief einzuarbeiten, im falschen Winkel zu arbeiten oder die Behandlung überhaupt durchzuführen, wenn man nicht firm darin ist, die richtige Haarlinie zu gestalten. Hier gilt: Vorsicht ist besser als Nachsicht! Lieber zu hell oder zu wenig als zu dunkel!

Ablauf der Kopfhaut-Pigmentierung

Den Behandlungsplan könnte man folgendermaßen gestalten: Es werden drei Behandlungstage eingeplant. An Tag 1 wird die Grundbehandlung ausgeführt. Am darauffolgenden Tag kann man aufgrund der Nachdunklung der Pigmente lückenhafte Bereiche gezielt auffüllen und nach vierwöchiger Abheilung wird die Intensivierung geplant. Bei der Stoppelzeichnung gestaltet man die Pünktchen kleiner als die Größe der vorhandenen Haarfollikel. Denn im Laufe der Zeit „setzt“ sich die Farbe wodurch die Punkte etwas weiter werden.

Die Kopfhaut unterscheidet sich von der Gesichtshaut und der Haut des Nackens. Um kein unregelmäßiges oder künstlich wirkendes Ergebnis zu bekommen, ist es daher wie bei jeder anderen Pigmentierung sehr wichtig, auf die unterschiedliche Porenstruktur der Bereiche zu achten. Bei transplantierten Haaren oder noch vorhandenen Haaren ist das Arbeiten oft schwieriger, da die Sicht etwas eingeschränkt ist. Nach einer Transplantation vernarbte Bereiche könnten die Farbe anders aufnehmen. Bei Krankheitsbildern wie Alopezie ist die Haut in Struktur und Dicke möglicherweise verändert. Wer schon Alopezie-Kunden hatte, kennt das Gefühl, „wachsartige“ Haut zu pigmentieren. Eine sanfte Durchführung ist hier besonders wichtig.

Ehrenkodex

Die ehrliche Beratung ist auch hier Grundlage für die Zufriedenheit des Kunden. Optisch kann man Dichte erreichen, indem man die Kopfhaut tönt und so kaschiert. Allerdings werden die Haare und das Volumen dadurch natürlich nicht dichter.

Andere Haarbereiche

Auch andere behaarte Regionen, wie der Schamhaarbereich oder Bartbereich können verdichtet werden. Dies wird allerdings seltener gemacht – und wenn, dann meist um Narben oder kahle Stellen zu kaschieren. Wie bei Kopfhaaren ist dann aber nur noch ein Tragestil möglich, um es harmonisch wirken zu lassen. Der „Haarschnitt“ der Intimbehaarung oder die Bartform muss also dauerhaft an die Pigmentierung angepasst werden.

Das Gesicht

Prominentere behaarte Areale sind Augenbrauen und Wimpern. Fallen diese Härchen hormonell bedingt oder durch Krankheit wie Krebs oder Alopezie aus, können Sie recht natürlich wirkend rekonstruiert werden. Der Betroffene sieht wieder „vollständig“ aus, was sich positiv auf Wohlbefinden und Selbstsicherheit auswirkt.

Lippen

Häufiger Grund für eine Lippenpigmentierung ist die Wiederherstellung der Symmetrie des Mundes. Die Rekonstruktion einer harmonischen Lippenkontur und Anpassung der Lippenfarbe ist beispielsweise eine sehr gute Methode, um Betroffene einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte, ein Stückchen Wohlbefinden zu geben. Nach der Pigmentierung fallen die Narben viel weniger auf.

Schmal und asymmetrisch

Im Laufe des Lebens verliert das Lippengewebe an Volumen oder wird durch einseitige Bewegung, z. B. beim Rauchen „verformt“. Auch hier kann man mit geschickter Anpassung optisch weiterhelfen. Allerdings nur in Maßen! Der Wunsch nach erheblich mehr Volumen oder starker Formanpassung kann nicht durch Pigmentierung, sondern nur in Kombination mit Unterspritzungen geschehen.

Herpes bei Lippen PMU

Bei Herpes-Betroffenen sind die Narbenkaschierung und damit eine klare Begrenzung der stärkste Wunsch. Kunden beschreiben ihre eigenen Lippen häufig als ausgefranst und blass. Achtung! Bei Neigung zu Herpes sollte immer eine Prophylaxe durchgeführt werden, um einen Herpesausbruch durch die Nadelreizung zu vermeiden. Meist erhält die Kundin von ihrem Hausarzt oder Dermatologen Wirkstoffe zur Einnahme.

Narbengewebe verhält sich möglicherweise anders. Schwer zu kontrollierenden Faktoren bei Narben sind die unterschiedliche Farbaufnahme und Empfindlichkeit.

Die größten Fehler bei der Lippenpigmentierung sind:

  • traumatische, lange Behandlungsdauer
  • das starke Überzeichnen der Lippen
  • das zu starke Unterzeichnen der Lippen
  • Pigmentierung über eine stark ausgeprägte Lippenkante hinaus
  • zu dunkle und kühle Farben
  • falsche Pflege vor und nach der Pigmentierung

Gesichtshaut

Hauttransplantate werden aus benachbarten oder auch entfernteren Arealen entnommen. Dadurch kann sich die Optik stark vom Rest unterscheiden. Die Gestaltung von Äderchen, Poren, dunkleren Punkten wie Sommersprossen und Schönheitsflecken bietet hier eine gute Option zur Anpassung.

Körperbereiche

Farbangleichung an Hautton

  • Bei Vitiligo oder veränderter Pigmentierung nach Verletzung, Laserbehandlung, Transplantationen von Hautbereichen, Operationsnarben, Brustnarben, Kaiserschnittnarben oder Dehnungsstreifen ist die farbliche Angleichung möglich. Die Haut sollte sich dabei aber nicht mehr stark verändern. Das Narbengewebe muss stabil und nicht hypertroph sein, um ein harmonisches Ergebnis zu erreichen. Nach Bearbeitung ungleichmäßiger Pigmentierung ist täglicher und ausreichender Sonnenschutz für den Kunden Voraussetzung, um Veränderungen durch Sonneneinstrahlung zu vorzubeugen.

Geschlechtsbereiche

  • Phalluspigmentierung (Kaschierung von Farbunterschieden und Narben)

Menschen, die sich im falschen Körper gefangen fühlen, durchlaufen häufig einen langen Leidensweg. Wird eine operative Rekonstruktion des Gliedes vorgenommen, ist ein Farbangleich des Hauttransplantats der Wunsch vieler Betroffener.

  • Farbliche Optimierung nach eigener Vorstellung

Während meines beruflichen Aufenthalts in China habe ich das erste Mal bewusst wahrgenommen, dass einige Menschen ihre Intimzonen farblich anpassen. Mit Hilfe von PMU können Aufhellung des Analbereichs oder auch die „rosigere“ Gestaltung der Schamlippen erreicht werden. Diese PMU-Anwendungen sind nicht vorwurfsvoll in eine bestimmte Szene zu drängen. Es gibt die verschiedensten Dinge, die Menschen aus ganz persönlichen Gründen optimieren möchten, um sich wohler zu fühlen.

Brust

  • Die Warzenhofrekonstruktion fällt unter die bekannteren Anwendungsgebiete. Eine Anpasse der Größe und Farbe des Warzenhofs wird häufig nach Amputationen und Verletzungen vorgenommen. Auch diese Technik ist keine anerkannte Kassenleistung. Als PMU Artist oder Tattoo-Experte auf diesem Gebiet ist es wichtig eine transparente Auskunft darüber zu erteilen.

Vor Durchführung aller Anwendungen, aufgrund von Krankheit oder psychischem Leiden, kann vorab ein Kostenvoranschlag bei der Krankenkasse eingereicht werden. Die Kostenübernahme wird von Fall zu Fall geprüft. Wird die Übernahme abgelehnt, kann der Kunde Einspruch einlegen oder eine ärztliche/psychologische Beurteilung nachreichen. Werden die Kosten auch dann nicht übernommen, kann man als Dienstleister anbieten, ein Behandlungsprotokoll samt Vorher-/ Nachher-Bildern zur Verfügung zu stellen. Der Kunde könnte somit ein weiteres Mal versuchen, die Übernahme zu erreichen. Aus meiner Erfahrung heraus vermeiden die meisten Kunden diesen Prozess. Sie wünschen sich einfach, sorgenfrei und mit besserem Gefühl zu sich selbst in den Spiegel zu schauen.

Weitere Möglichkeiten

  • optische Zehentrennung durch dunkle Schatten zwischen beiden Zehen
  • optische Rekonstruktion z.B. gezogener Finger oder Fußnägel

Kooperationen sind wertvoll

Ein unbezahlbar wertvoller Mehrwert und besonders gute Ergebnisse erreicht man oftmals in Kooperation mit Ärzten. Narbenbehandlungen und der Ausgleich des Hautniveaus durch Needling, Laser, Hyaluron und andere Methoden in Kombination mit PMU beeinflussen das Gesamtbild mancher Ergebnisse sehr positiv. Ein Netzwerk an vertrauenswürdigen und gut ausgebildeten Partnern ist eine vorteilhafte Synergie für die Kundengewinnung und Zufriedenheit.

Unsere große Verantwortung muss uns bei jedem Kunden bewusst sein. Regelmäßige Fortbildungen sind für die ganzheitliche Arbeit im PMU genauso wichtig wie Empathie und handwerkliches Geschick.

Als Dank für unsere Kunst erhalten wir oftmals Freudentränen beim Blick in den Spiegel. Das ist „Medical Beauty“ mit emotionaler Wirkung, die unter die Haut geht.

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